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Wo das große Geld zu finden ist

15 Dez

Der Untertitel dieses Blogs lautet “Alternativen zum System”. Heute wurde mir wieder vor Augen geführt, wie das System funktioniert. Und diese Kenntnis ist bedeutend, wenn man sich sein eigenes Ausstiegsszenario plant und natürlich umsetzt.

Wie funktioniert also unser Alltag? Das große Geld wird nicht mit der wirtschaftlichen Führung einer Unternehmung gemacht. Nein, es wird mit den für die Unternehmung notwendigen Kredite und mit der Immobilie selbst gemacht. Es geht nicht darum, beispielsweise ein Hotel zu errichten und es dann wirtschaftlich zu führen. Es geht darum, Kreditgeschäfte im Zuge der  Hotelerrichtung abzuwickeln und dann die Immobilie gewinnbringend zu verkaufen. Sprich, man führt es ein oder zwei Jahre und gibt es an einen neuen Betreiber weiter. Man lässt also das Geld für sich arbeiten.  Hier fließt die große Kohle, was natürlich umso bedenklicher ist, wenn die öffentliche Hand zur Errichtung der Immobilie mitzahlt.

Was hat diese Geschäftspraxis nun mit dem persönlichen Ausstiegsszenario zu tun? Die Antwort ist einfach – wir müssen Kredite vermeiden und das in allen Bereichen. Und wir müssen Projekte umsetzen lernen, erst wenn wir das Geld dazu zusammenhaben. Auf Respekt.net kann man Vorhaben präsentieren und Investoren dafür suchen. Dieses Common Fund System bietet verschiedene Möglichkeiten, die nötigen Ressourcen für ein Projekt aufzustellen: Geld, Wissen, Arbeitskraft, Material,…

Das Gottlieb-Duttweiler Institut (Schweiz) veröffentlichte zur Entwicklung des Tourismus 2007 eine Studie. Die Prognose: Die Mittelschicht wird weiter verarmen, die Masse wird weniger Geld zur Verfügung haben, Urlaub wird zunehmend daheim in der Region gemacht werden und daneben wird es einen Tourismus für Superreiche und wirklich Vermögende geben. Der Zeithorizont dazu ist relativ gering bemessen. Die Studie nimmt dieses Szenario bereits für 2020 an. Fazit: Weniger Geld in den Brieftaschen der Masse bedeutet auch Druck zur Veränderung in vielen Alltags- und Geschäftsbereichen. Man wird also Alternativen finden müssen, das Gewünschte zu “finanzieren” – das gilt für Private genauso wie für Kommunen, die öffentliche Hand, Sozialeinrichtungen und touristische Positionierungen von Regionen. Zu den Alternativen zählen Regionalwährungen, Tauschkreise, Zeitwährungen, neue Wohnmodelle und damit einhergehende soziale Kooperationen (Jung und Alt wohnen gemeinsam und teilen sich die Fürsorge, Pflege, Kinderbetreuung etc. untereinander auf). Aber auch völlig neue touristische Infrastruktur, kommunale Verwaltungsmodelle, (öffentlicher) Verkehr werden von diesen geringeren Einkommensprognosen betroffen sein. Hier gilt es zu handeln und die anstehenden Herausforderungen mit völlig neuen Lösungen zu versehen – was freilich in schwerfälligen Verwaltungsapparaten derzeit kaum zu sehen ist. Man will immer noch die Probleme mit jenen Mitteln lösen, die sie verursacht haben, setzt auf das alte Traditionelle, das längst ausgedient hat.

Alternativen zum System bedeuten, sich auf völlig neue Lebens-, Wirtschaftsmodelle einzustellen, sie anzupacken und umzusetzen. Dazu gehört es auch kreative Leute einzubinden, sie nicht aus den Regionen zu verjagen, weil diese eben die heilige Ruhe der bisherigen Strategien stören. Wenn nämlich die zehn Prozent Kreativen einer Region abgewandert sind, dann hat diese ein ernsthaftes Problem – dazu gibt es schon Studien, die das belegen (ein Bekannter von mir arbeitet in der Organisations- und Regionalentwicklung und erzählte mir unlängst von diesem Dilemma). Wer weg ist, ist für immer verloren. Und genau dieses Bewusstsein für dieses Dilemma ist eine Bringschuld der regionalen Politik. Auch darum führt kein Weg herum – so gerne sich die davon Betroffenen um diese Erkenntnis zu winden scheinen.

Völlig neue Wege einzuschlagen, als Kommune einmal ein alternatives soziales Wohnprojekt oder ein alternatives Arbeitslabor  in Angriff zu nehmen anstatt Einkaufszentren zu errichten erfordert eben auch Mut. Nur  zu hoffen, dass die Jungen nicht abwandern, weil eben eine Markenkette im EKZ des Ortes vorhanden ist, zeugt von völliger Unkenntnis der Zusammenhänge, wie sich Gesellschaften und ihre Lebensräume entwickeln. Es heißt, das Geld einmal außen vor zu lassen. Nach Ressourcen und Vorhandenem Ausschau zu halten, das Problem, welches es zu lösen gilt, exakt zu definieren, bevor man Instant-Lösungen herbeibetet. Es heißt nun Farbe bekennen, bei der Wahrheit bleiben, die Betroffenen einzubinden anstatt mit an totalitäre Regime erinnernde Verordnungspolitik die Menschen vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Das Diktat des Marktes ist ein unmenschliches. Es darf nicht sein, dass der Kontostand über Menschlichkeit richtet, dass Vermögende entscheiden, was mit der Bevölkerung oder einem Ort passiert. Das sind diktatorische Züge, welche die Freiheit und demokratische Mitbestimmung gefährden. Und deswegen gilt es, die Macht der Kredite und die Wahrheit, wie wirklich das große Geld gemacht wird, zu verstehen. Um genau diesen Weg zu verlassen und für ein gutes Leben für alle Menschen zu arbeiten. Denn dieses Recht hat jeder und wir tragen die Verantwortung für einen solches gutes Leben in der Region, in der wir leben. Dafür gilt es sich einzusetzen, mutig und visionär.

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3 Antworten zu Wo das große Geld zu finden ist

  1. Hinrichs , Karl-Heinz

    Dezember 16, 2011 at 8:49 vormittags

    Hallo Angelika, das ist eine treffende Zustands-und Zukunftsbeschreibung , die ich weitestgehend
    unterstütze , soweit alles völlig gewaltfrei ist . Aber wie können wir größere Bevölkerungskreise erreichen , die natürlich jeden Tag von den eingefahrenen “Strukturen” bombardiert werden .
    Erich Kästner sagte schon vor vielen Jahren :”Es geht auf keinen Fall so weiter , wenn es so
    weitergeht !”

     
    • AMW

      Dezember 16, 2011 at 11:05 vormittags

      Die Chance liegt darin, jene zu erreichen, die schon in Alternativen denken und handeln. Weil der, der heute die Macht inne hat, auch dafür sorgen wird, seinen Einfluss zu erhalten – auch wenn das System lebensfeindlich ist.
      Es gibt dazu eine statistische Größe: Nur 5 Prozent Andersdenkende sind nötig um eine Prozess in Gang zu bringen. Und Veränderung passiert bereits, wenn 11 Prozent aktiv sind. Dann beginnt eine neue Idee ein Selbstläufer zu werden.
      Man denke auch an das Pareto-Prinzip: mit 20 Prozent Einsatz 80 Prozent zu bewirken.

      Wir sprechen also nicht von unmöglichen Vorhaben, sondern von durchaus realistischen Größenordnungen.

      Des weiteren sollte man bedenken, dass eine Generation mit neuen Handlungsmustern und neuem Denken aufwachsen muss, damit sich etwas ändern kann. Wir müssen also unsere Energie und unseren Einsatz auf die kommende Generation richten. Nicht die Alten umändern und bekehren, sondern den Jungen beibringen, wie man es anders macht. Es liegt dabei an uns zu handeln. Wir müssen aufhören zu reden und Predigten zu halten, sondern den Jungen vormachen. In der Tat liegt die Veränderung, nicht im Gerede. Und darin liegt auch unsere Verantwortung, von der die HOPI-Elders immer sprechen.

      Wer jetzt von unserer Generation handelt und das gemeinsam mit den Jungen, der kann sich sicher sein, dass die Alternativen von den Jungen aufgenommen werden und wir einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderung entgegen gehen. Diese auch passiert. Wer jetzt den Jungen vorlebt, wie man sich vor fremden Einflüssen schützt, Andersdenkende ausgrenzt, um das alte System kämpft, der wird auch diese Früchte in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren ernten.

      Es liegt also an uns. WIR haben es in der Hand, wie die Welt 2025 aussehen wird.

       
  2. chuck norris jokes

    Dezember 23, 2011 at 6:25 nachmittags

    lmao

     

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