Wir haben die Details über die Gesamtheit gestellt. Wir haben gelernt, die Scheuklappe eines Brennglases aufzusetzen, um damit die Folgen unseres Handelns dezent auszublenden. Und das sogar wissenschaftlich exakt. Weil wir begründen, weshalb wir CO2 reduzieren müssen, weshalb wir erneuerbare Energie benötigen, weshalb wir Börsengewinne auf Emissionszertifakte erzielen (dürfen) und weshalb der Klimaschutz so wichtig ist. Wir sehen aber nicht, dass unser Lebensstil für unsere so sozial-ökologisch verarmte Welt verantwortlich ist. Wir nehmen uns selbst als Verursacher all dieses Übels nicht wahr.
Wer nur durch ein Brennglas blickt, die Perspektive bereitwillig verengt, ist kaum imstande, die Gesamtheit seines eigenen Handelns zu erfassen. Der will nur all jenes in sein Blickfeld lassen, was ihm ins Konzept seines äußerst individuellen und freiwillig eingeengten Weltbildes passt. Das ist ein sehr einfaches Leben, eines das sich auf Ursache und Wirkung auf höchst unschuldig kindliche Art reduziert. So als ob man alles machen könnte, ohne die Konsequenzen dabei verantworten zu müssen. Es ist ein Spiel im Sandkasten, bei dem man sich der Illusion hingibt, jederzeit aufhören zu können oder von einem Erwachsenen gerettet zu werden – wenn man das Sandspiel verbockt. Als ob man eine Taste am PC betätigt oder schnell mal mit dem Handy die Flugrettung alarmiert.
Doch das System des Lebens lässt sich nicht in Tasten einteilen. Wenn wir die Ressourcen ausbeuten, können wir sie nicht mit “F9″ wieder korrigieren. Wenn wir uns dem unendlichen Wachstum einem religiösen Dogma gleich verschrieben haben, können wir die Festplatte dieses Wachstums (=unser Planet Erde) nicht mit einer Defragmentierung im Fall der Überlastung zurecht rücken. Wir wollen zwar alles, aber nichts zurück geben. Wir wollen in den Himmel wachsen, ohne wahrhaben zu wollen, dass da oben im Himmel dünne Luft herrscht. Wir wollen im kindlichen Ehrgeiz die fehlende Liebe und Anerkennung mit Konsum und beruflichem Erfolg erkaufen. Doch die innere Leere, von der so viele Menschen bereits betroffen sind, kann mit diesem Wahn nach Mehr einfach nicht gefüllt werden.
Wir dürfen tief fallen um zu erkennen, dass wir zwar im Geist zu fliegen vermögen, wir aber trotzdem mit beiden Beinen auf dieser Erde stehen müssen. Und daran wird auch ein Klimagipfel in Durban nichts ändern. Man hat an diesem Wochenende dort nur Verträgen zugestimmt, die das dafür nötige Handeln wieder ein paar Jahre nach hinten rücken. Es ist ein Aufschieben, ein nicht hinsehen Wollen ob der eigenen Unzulänglichkeit und des Versagens unserer Art zu leben.
Es wird nur gesprochen. Die Hopi sagen aber, wir sollen tun und nicht reden. Im Tun liegt die Wahrheit, nicht im Redenschwingen. Wir müssen aufhören, alles mögliche um Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Ressourcenschonung zu verkünden. Wer verkündet, der hat noch nichts getan. Die Verkündigung ist ein willkommenes Ablenkungsmanöver die nötigen Dinge der Gegenwart zu unterlassen. Taten statt Worte sind gefragt. Und für diese muss man schon den eigenen Hintern bewegen.
Welche Taten stehen an? Wir müssen aufhören, das System immer wieder mit neuem Treibstoff zu versorgen. Wir müssen aufhören, Kredite aufzunehmen, uns Selbstwert mit übersteigertem Konsum zu erkaufen, einem Beruf nachzugehen, der uns nicht gefällt, uns nicht erfüllt. Wir müssen aufhören, nach Lebensmitteln zu verlangen, die gentechnisch verändert hergestellt werden und gedankenlos alles in Plastik zu hüllen. Wir müssen aufhören, exzessiv Fleisch zu konsumieren, da wir damit indirekt zur Armut in der Dritten Welt beitragen und das Abholzen der Regenwälder unterstützen. Wir müssen aufhören, unsere Kinder sich selbst zu überlassen, indem wir unsere eigene Unzulänglichkeit, mit uns selbst zurechtzukommen, auf sie übertragen. Wir müssen aufhören, die Wirtschaftskrise mit jenen Mitteln zu bekämpfen, die sie verursacht haben – noch mehr Kredite können nicht ein Kreditproblem lösen. Wir müssen aufhören, Geld als Ware zu betrachten und es vermehren zu wollen um Macht, Einfluss und Kontrolle zu erhalten.
Beispielsweise kann man die eigenen Ernährungsgewohnheiten umstellen – übrigens, wer wieder selbst für sich kocht, zollt sich damit auch Respekt und Selbstachtung. Man kann aber auch als Journalist politischer und kritischer schreiben. Oder man arbeitet mit Kindern, engagiert sich für Benachteiligte in unserer Gesellschaft, produziert als Landwirt biologische Lebensmittel, reduziert die Autofahrten aufs Notwendige, erledigt Wege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Bus. Nimmt sich Zeit für ein Gespräch mit den Nachbarn, arbeitet in einer Gruppe mit, die das Alltagswissen unserer Großeltern wieder belebt und in den modernen Alltag integriert, organisiert Vorträge im eigenen Freundeskreis über ein nachhaltiges, einfaches Leben. … Der Möglichkeiten gibt es viele, und – wir haben viel zu tun. Wir müssen nur die Augen aufmachen, was uns selbst ein Anliegen ist zu tun. Und dann: “TUT ES!!!”
Das Wichtigste, was wir tun dürfen ist aber ZEIT NEHMEN. Zeit für die Menschen nehmen, denen man sich verbunden fühlt. Zeit mit ihnen verbringen, sie besuchen, zuhören, helfen, motivieren, unterstützen, zu einem ganzen Menschen zu werden. Einer erwachsenen Seele, die weiß, dass ihr Handeln Wirkung hinterlässt. Und deswegen ganz bewusst handelt. In der Gegenwart, im Hier und Jetzt. Wer sich Zeit nimmt, der lässt das Unwichtige im Leben los. Der konzentriert sich auf das Wesentliche.
Jeder von uns kann das ändern, was er geändert haben möchte. Er oder Sie muss es nur TUN.
Hinrichs , Karl-Heinz
Dezember 12, 2011 at 11:42 vormittags
Hallo Angelika,
sehr gut formuliert , kann ich in fast allen Punkten nur zustimmen .
Du erhälst mit separater email eine Einladung zum 29.12.2011 , da
könnten wir im grösseren Kreis auch dieses Thema besprechen .
Übernachten kannst Du bei uns aber leider nicht , wir haben schon Besuch
aus D .
Grüße K-H
Hinrichs , Karl-Heinz
Dezember 12, 2011 at 11:50 vormittags
Nochmals K-H ,
ich weiß nicht , ob ich einen Fehler gemacht habe :
eine Bestätigung meines Kommentars vor einigen Minuten habe ich nicht bekommen .
K-H
Demir
Dezember 18, 2011 at 2:13 nachmittags
Interessanter Beitrag! Ich werde da noch mal nachhaken!
Multiplication Chart
Dezember 19, 2011 at 8:36 nachmittags
i like it