Schon die Monate zuvor war ich irgendwie von der Idee besessen, meine Arbeit mehr den Werten der Gemeinschaft zu widmen. Mehr drüber zu schreiben, was es im Bereich der Nachhaltigkeit und mit dem Leben in Einklang mit Planet Erde auf sich hat.
Die Auslöser dazu waren Interviews und mein persönliches Umfeld. Da führte ich im Februar des Jahres ein Gespräch mit Ronald O. Loveridge, dem Bürgermeister des südkalifornischen Riverside. Model Solar City – so nennt sich Riverside und produziert Solarstrom in der kalifornischen Wüste, was das Zeug hält. Über Green Buildings wollte man wieder nicht so viel sprechen. Schließlich ging es um die Energieproduktion. Und freilich, die Republikaner würden ein nachhaltiges Wirtschaften mit green jobs usw. immer wieder blockieren.
Währenddessen recherchierte ich über Regionalentwicklung und das Dilemma der ländliche Regionen. Trotz der bekannten demographischen Verluste scheinen die Regionen in Österreich völlig konträre Entwicklungsziele zu verfolgen: touristische Infrastruktur ausbauen, Prestigebauten wie Thermen und Hotels, Schladming will das Kitzbühel der Steiermark werden – und ganz so nebenbei wachsen die Angebote an Niedriglohnjobs aus dem Boden. Gut Qualifzierte zieht es in die Stadt. Das Land trocknet aus. Ziehen wir also einen Zaun um manche Tourismusregion und erklären diese zum Erlebnispark (ein Kitzbüheler Gemeinderat wird auf dieses Dilemma im November nochmals drauf hinweisen)?
Das Frühjahr stand unter dem Zeichen, einen Weg für die Realisierung meines journalistischen Anliegens zu finden. Dabei fiel mir das Managementbuch des Jahres in die Hände. Michael Faschingbauer, Effectuation. Wie erfolgreiche Unternehmer denken, entscheiden und handeln. Gesagt getan. ich las das Buch und begann mit den hier beschriebenen Tools zu planen. Fazit: Am 11. Juli fiel der Startschuss zu PROJEKT LIFE. Gleich darauf fanden die kommunalen Sommergespräche in Bad Aussee statt. Krisenstimmung und Budgetsituation beherrschten die Tagung. Manche klugen Köpfe (Biedenkopf und Staehler aus Deutschland) forderten einen radikalen Schritt hin zu mehr Eigenständigkeit der Kommunen und mehr Verantwortung für die nächste Generation. Sparen an Kultur und Bildung wäre fatal. Trotzdem lies man durchblicken, dass man keine Entscheidungen treffen wird, die Wählerstimmen kosten.
Ende Juli nahm ich dann noch an der Sommerwoche der SPES in Schlierbach teil. Die Tagung “Arbeit im Wandel” stieß ins selbe Horn. Wir brauchen einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel. Frithjof Bergmann und Gerald Hüther sprachen von dem “wirklich wirklich Wollen” und einer Gesellschaft, die einander wertschätzt statt sich niederzumachen.

Frithjof Bergmann mit der Ansprechpartnerin des Österreichbüros von Neue Arbeit, Neue Kultur. Foto: AMW
Anfang August fuhr ich dann nach Zürich um meine Kooperationspartnerin, Ellen Peitz von Gogofish, kennen zu lernen. In Zürich liegt das Geld der Welt. Wir wurden uns einig, dem System auf den Zahn zu fühlen und auf die Suche nach positiven Beispielen der Nachhaltigkeit zu gehen. Auch auf die Gefahr hin, keine derartigen Beispiele zu finden.
Mitte August dann der nächste Schritt: Der Permakultur Designerkurs im Naturpark Hohe Wand in Niederösterreich. Mein erster Eindruck: ein Lager von Althippies, die es aus dem System geworfen hat. Der Kursleiter ist selbst Pilot, der andere ein Permakulturist namens Bernhard Gruber. Die Gruppe kam aus ganz Österreich. “Weißt du, ich verkaufe jetzt mein Haus und will ein Jurtendorf errichten.” Aha, dachte ich. Aussteigerklub. Es hatte was von Lagerfeuerromantik.
Danach ging es Schlag auf Schlag. Anfang September präsentierte ich PROJEKT LIFE bei der Ars Electronika in Linz im Bereich NANK (Neue Arbeit, Neue Kultur). Traf damals wieder Frithjof Bergmann und – viele enttäuschte bis frustrierte Menschen, die mit der Gegenwart wenig zurecht kommen, fühlen, dass sich was ändert. Man wünscht sich was Neues, aber was? Nachhaltig soll es auf jeden Fall sein. Otelo war auch mit dabei, das Offene Technologie Labor als freier kreativer Arbeitsplatz.

Das Projekt Otelo wurde ebenfalls bei der Ars vorgestellt. Otelo läuft über Martin Hollinetz, SPES Schlierbach. Foto: AMW
Zwei Wochen darauf fand der One World Award in Legau im Allgäu statt. Viele bekannte Gesichter der Ökoszene waren dort: Vandana Shiva, das Ehepaar Schmeiser, beinahe Wangari Maathai. Aber auch Beti Minkin, die in ihrer Ansprache zur Nominierung des Preises betonte, wie froh sie über die jetzt endlich erhaltene Öffentlichkeit über ihre Arbeit ist. Zwanzig Jahre im Abseits zu arbeiten geht an die Substanz.

Beti Minkin wurde für ihr Engagement zur Selbstversorgung in einer ostanatolischen Region geehrt. Menschen finden durch ihre Arbeit dort wieder eine Lebensgrundlage. Foto: AMW
Apropos Öffentlichkeit: Keine einzige große deutschsprachige Tageszeitung war beim OWA mit dabei. Es waren zur Preisverleihung 800 Gäste geladen, das Festival zog über 20.000 Besucher an. Nicht einmal die deutschen Presseagenturen veröffentlichten die Pressetexte der Veranstalter. Ich war eine der sechs Journalisten vor Ort.
Während des OWA Festivals traf ich Menschen, die in den Engagierten wie den Schmeisers und Vandana Shiva richtige Vorbilder für den Kampf um eine nachhaltige Welt sehen. Das Publikum bei den Vorträgen versprühte regelrecht eine Aufbruchstimmung hin zu einer nachhaltigeren Welt.
Auch die Finkbeiners mit der Initiative “Plant the Planet” waren anwesend. Man schoss Fotos mit Vandana Shiva und den Schmeisers und setzte damit das eigene Anliegen “Stop Talking, Start Planting” wieder in Szene.
Am Ende dieser ersten drei Monate Recherchen bekommt PROJEKT LIFE ein erstes Profil. Die Sache mit der Nachhaltigkeit wird man wohl auf der Spur des Geldes näher verfolgen müssen. Dort, wo man sie vermutet, versteckt sich allzuoft Green Washing. Dort wo sie existiert, lebt Nachhaltgkeit nur durch das Engagement Einzelner, denen von den großen Konzernen das Leben schwer gemacht wird. Dazwischen gibt es viel Grauzone. Schließlich muss Geld verdient werden. Und zuwenig grüner Lobbyismus, zuwenig Öffentlichkeit, zuwenig ehrliches Wollen in der Politik entpuppt sich als unangenehmer Beigeschmack der ganzen Angelegenheit.







karen
Dezember 29, 2010 at 5:46 nachmittags
danke für den Rückblick, ich hab mir gleich auch mal das Buch bestellt
liebe Grüsse
aus Berlin
Karen
AMW
Dezember 29, 2010 at 6:00 nachmittags
bitte gerne, liebe Karen.
Ich kenne Michael Faschingbauer persönlich und wir haben immer wieder auch via Skype über die Planungsmethode gesprochen. Er ist der Meinung, jegliche Prognosen würden uns an die Grenze der Planbarkeit führen. Und so habe auch ich aus den vorhandenen Ressourcen heraus PROJEKT LIFE gestartet. Frei nach dem Motto: Was will ich? Wen kenne ich, den das Thema interessiert? Welche Mittel stehen mir aktuell für mein Projekt zur Verfügung.
Jetzt wird gerade eben wieder relaunched. Und ich nehme diese Planungstools zur Hand um PROJEKT LIFE auf die aktuellen Ressourcen hin abzustimmen. Persönlich kann ich sagen, dass man mit dieser Methode weitaus erfolgreicher ist, sich auf die Gegebenheiten gut einstellen kann und jegliche Änderungen in den Rahmenbedingungen relativ unkompliziert einzubinden vermag.
Viel Freude und Erfolg mit dem Buch.
Und einen guten Rutsch ins Neue Jahr!
Angelika